Der historische Nachtwächter:

In den meisten größeren Städten u. Märkten gab es jahrhundertelang Nachtwächter. Sie übten sozusagen 2 Berufe gleichzeitig aus:

Einerseits den des Feuer-Schutzmannes und andererseits den des Polizisten. Die Feuersicherheit war bis in die Neuzeit sehr schwer einzuhalten. Viele Häuser waren teilweise aus Holz gebaut, oder hatten Schindeldächer. Wirkungsvolle Lösch-Spritzpumpen gibt es erst seit ca.100 Jahren. Also war ein aufmerksamer Nachtwächter, der mit seinem Horn bei den ersten Anzeichen eines beginnenden Brandes Feueralarm blies, ganz wichtig, und sozusagen die "beste Versicherung". (je früher ein Brand entdeckt wurde, desto schneller konnte er gelöscht werden)

Die zweite Tätigkeit war die der Ordnung und Sicherheit. In Wels arbeiteten die Nachtwächter mit der Polizeiwache zusammen und waren dieser in Sicherheitsangelegenheiten auch unterstellt. Der Nachtwächter durfte fast wie ein Polizist einschreiten, abmahnen, zu Ordnung anhalten und kurzzeitig auch jemanden festnehmen. Als Personenschutz- und Verteidigungswaffen führte er entweder einen langen Schlagstock (Holz oder Metall), einen kurzen Infanterie- oder Polizeisäbel, oder eine sogenannte Faschine (ein langes Haumesser oder Stichschwert) mit. Schusswaffen durfte er nicht führen (nur Militär und Polizei).

Die allseits bekannte Hellebarde (Kampf-, Wehrspieß und Arbeitsaxt gleichzeitig) war lange Zeit neben Horn und Laterne auch ein "Berufs-Symbol". Sie stammt aus der Gotik, wo bei gewissen Infanterieeinheiten abkommandierte Wach-Unteroffiziere diese Waffe als Rangabzeichen trugen. Die Hellebarde (Spieß = Unteroffizier) wurde bis Ende des 19.Jhdt. noch oft getragen. Eine Schließkette zum Fesseln - später Handschellen, kamen neben dem wichtigen Signalhorn (ab ca.1850 fast durchwegs kleinere Militär-Trompeten, aus Gründen der schwächeren Lautstärke keine Kuh-u.Büffelhörner mehr!) zum Einsatz.

In Wels waren in einer Nacht 4 Nachtwächter für die 4 alten Stadtbezirke im Dienst (manchmal auch bis zu 8). Lange Zeit (sicher bis ca 1850) hatten sie ihre Dienststellen und oft auch Wohnungen in den 4 Stadttürmen - Ledertor, Fischertor, Trauntor und Schmiedtor. Sie waren also oft auch Torwächter und somit "Türmer".